Strategischer Bahndamm – völlig falsch !!!
Der Bahndamm der von Neuss durch unseren Ort nach Rommerskirchen führt, wird umgangsprachlich gern auch als ‚historischer‘ oder auch als ’strategischer‘ Bahndamm bezeichnet. Beides ist sachlich nicht richtig, es war einfach eine Bahnverbindung geplant. Zu den Einzelheiten:
Um 1885 haben sich der Kreis Grevenbroich (es gab dazu auch einen Kreis Neuss), die Gemeinden Rommerskirchen, Oekhoven, Hoeningen, Gohr und Hülchrath [wurde später in Neukirchen umbenannt] zusammen geschlossen, um die Gillbacchbahn GmbH zu gründen, mit dem Ziel und unterstützt durch die „Absatzgenossenschaft auf der Gillbach“, einer bäuerlichen Genossenschaft, die später in der RWZ (Rheinische Weizen Zentrale aufging und die Erbauerin der Siloanlagen am Bahnhof Rommerskirchen ist), einen Eisenbahnanschluß an den Hafen in Neuss zu bekommen. Das Projekt war als „Kreisbahn“ auf der Basis der preußischen Bahngesetze geplant und sollte dementsprechend als Kleinbahn realisiert werden. Die Bahnlinie sollte südlich von Neukirchen und Hoisten vorbei führen, dort über die bestehende Bahnlinie Neuss-Köln geführt werden und dann bis Grimmlinghausen gehen, weiter dann nach Nord am Nordkanal entlang zum Hafen in Neuss.
Da die Gemeinde Norf davon nicht begeistert war und die Stadt Neuss und der Kreis Neuss sich finanziell nicht beteiligen wollten, geriet das Projekt ins Stocken . Die Gemeinde Holzheim witterte ihre Chance und so bot sich an, die Bahn über Helpenstein nach Holzheim zu führen, aber mit dem Makel, dass dort auf Normalspur umgeladen werden müsste.
Durch Einsatz des aus Hülchrath gebürtigen Stübben (Denkmal vor der Kirche in Hülchrath, damals preußischer Stadtbauminister) wurde von der Reichsbahn erwogen, die Gillbachbahn GmbH zu übernehmen, was dann auch erfolgte, als das kaiserliche Kriegsministerium die Trasse als sinnvolle Ergänzung einstufte, wenn die Bahnlinie zusammen mit der geplanten Kreisbahn des Kreises Bergheim, die Von Niederaußem (Brikettfabrik) und Bergheim nach Horreem führen sollte, weil dann im Hinterland von Köln eine Querverbindukng entstehen würde, die nicht durch die Stadt Köln führen würde. Da von Horrem die Bahnlinie nach Liblar bereeits existierte, kam um 1910 die Reichsbahn auf Anregung des Kriegsministeriums auf die Idee, die dortige Kleinbahn zu übernehmen und auch auf Normalspur auszubauen und bis ins Ahrtal zu verlängern, wo es die Ahrtalbahn bereits gab.
1912 begannen dann die Bauarbeiten für die Bahnlinie, die ausschließlich zivilen Zwecken dienen sollte. Der erste Weltkrieg stoppte die Arbeiten. Im Versailler Vertrag wurde für die noch nicht fertigen Abschnitte nur ein eingleisiger Ausbau zugestanden, was vor Allem den Abschnitt Rommerskirchen-Holzheim und Liblar-Altenahr betraf. 1923 wurde dieses zivile Bahnmprojekt wieder angestoßen, wieder angeregtz und vermittelt durch Stübben – inzwischen Rentner geworden. Die Inflation stoppte die Bauarbeiten 1924.
Um 1960 kamen Militaria-Freaks zum ersten Mal auf die Idee, diese Bahnmlinie „strategisch“ zu nennen. in keinem Militärdokument ist diese Bahnlinie enthalten. Auch in den Bundesbahnakten ist nicht von einem strategischen Bahnprojekt die Rede. Revanchisten, die die Ergebnisse des Versailler Vertrages nach dem ersten Weltkrieg korrigieren wollten, forderten sogar die Wiederaufnahme der ’strategisch bedeutenden‘ Bahnlinie als zweigleisigen Ausbau.
Weil das Projekt unvollendet blieb, heißt es im nörlichen Teil (Hoeningen bis Holzheim) schlicht DER Bahndamm und im südlichen Teil (Evinghoven bis Rommerskirchen) schlicht NEUE Bahn. Bei uns in Neukirchen galt und gilt das Bauwerk als „Bahndamm“. Erst in den letzten Jahren seit Aufkommen von Wikipedia tauchte der Bahndamm urplätzlich von Ortsfremden als ’strategischer Bahndamm‘ auf, die der Bauernbahn eine militärische Bedeutung zuschustern wollen.
Diesen Beitrag veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von Dr. Christian Wiltsch.
03.2026 / hja