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Da bei Wappen wahnsinnig viel Unkenntnis verbreitet ist, dazu ein paar Erklärungen:

 

Das Deutsche Wort "Farbe" heißt bei Wappen "Tinktur". Die Tinkturen werden in zwei Gruppen eingeteilt: Die "Farben" und die "Metalle". Die Namen der Farben lauten: Rot, Blau, Grün und Schwarz. Es gibt weder hellblau noch dunkelrot, einfach nur blau und rot. Es gibt kein orange, kein braun (Achtung: Ausnahme möglich bei Bären und Baumstämmen), kein rosa und kein violett. Die Namen der Metalle heißen gelb und weiß. Man darf auch Silber statt weiß sagen und Gold statt gelb. Aber man muss sich entscheiden, entweder gelb und weiß ODER Gold und Silber.

 

Ist ein Wappen mit einer Farbe als Grundton, muss das Beizeichen oder die "Figur" wie es heißt, aus Metall sein, oder umgekehrt. An ein farbiges Feld soll eines aus Metall grenzen und umgekehrt. Die Beschreibung eines Wappens heißt Blasonierung, die Erläuterung wird meist "Begründung" genannt. Die Blasonierung erzählt der Ritter seinem Gegenüber, wenn er sich das Schild schützend vor den Körper hält. Das heißt, rechts und links sind für den Betrachter vertauscht, oben und unten nicht. Hat ein Wappen eine obere und eine untere Hälfte, ist es geteilt von z.B. Gold [oben] nach Blau [unten]. Hat es eine rechte und linke Hälfte, ist es gespalten von Gold [rechts, also links vom Betrachter] nach Blau [links, also rechts vom Betrachter]. Hat es vier Felder, ist es geviertelt von z.B. Silber [Feld 1 = oben rechts, also oben links vom Betrachter und Feld 4 = unten links, also unten rechts vom Betrachte] nach Blau [Feld 2 = oben links und Feld 3 = unten rechts, wobei der Betrachter auch hier wieder rechts und links vertauscht sieht.]

 

Die obere Hälfte oder die [wappenkundlich] rechte Seite oder das Feld oben rechts ist der bevorzugte Platz im Wappen. Bei Herrscherfamilien findet sich hier das Feld für das Stammwappen. Bei Ortswappen findet sich hier meist das Zeichen der mittelalterlichen Gerichtshoheit. In Neukirchen war dies das Kurfürstentum Köln, das durch den Erzbischof von Köln vertreten wurde. Das Landeswappen von Kurköln, zu dem Neukirchen von 962 bis 1792 gut 800 Jahre lang gehört hat, zeigt ein schwarzes Kreuz auf Silber. Zur Unterscheidung zwischen Kurfürstentum Köln und Erzbistum Köln hat das Wappen des Erzbistums auf dem schwarzen Kreuz noch ein Silberfadenkreuz. Neukirchen war bis 1608 der Gerichtsort im sogenannten "Dingstuhl" Hülchrath, bevor das Gericht nach Hülchrath verlegt wurde. Im 12. Jahrhundert hieß das Gericht aber noch nicht nach Hülchrath, sondern nach dem Haus Horr "Horn", so der ursprüngliche Name des Hauses. Das Gericht wurde vor dem Haus Horr auf der Neukircher Heide nach alter germanischer Sitte unter freiem Himmel gehalten, später dann im Neukircher Gasthof  "zur Kron" an der Viehstraße.

 

Dem vornehmsten Feld gegenüber ist bei viergeteilten Wappen das diagonal unten links befindliche Feld. Hier wurde die gleiche Schild-"Tinktur" gewählt, wie bei dem Feld für die Landeszugehörigkeit: Silber. Die schwarze Muschel symbolisiert den Ortsnamen! Da es banal gewesen wäre, eine Kirche abzubilden, wurde ein früher sehr beliebtes Symbol als Zeichen gewählt. Die katholische Kirche (im Kern noch romanisch) gab dem Ort den Namen, und sie heißt nach dem Jakobus dem Älteren (von Campostella), der durch die Jakobusweg-Bewegung wieder bekannt geworden ist. Dessen Symbol ist die Pilgermuschel oder Jakobsmuschel, Die beiden anderen Felder wurden dann nach Abstimmung Blau gewählt, weil Schwarz zu farblos wäre, und Rot und Grün zu politisch verstanden wurde. Das obere Feld steht für die Bewohner des Dorfes Neukirchen, auch hier wieder um die Ecke betrachtet. Die Krone steht für den Hausnamen "zur Kron", der schon erwähnt wurde und wo zur Zeit der Wappenschaffung noch das entsprechende Haus in der Viehstraße vorhanden war, bevor Dickens den Hof abreißen ließen um dort zwei Neubauten zu errichten. Die drei Lindenblätter stehen für den Häusernamen "zur Linde", welcher der Name des Hauses war, das vor 50 Jahren von Stenbrock an der Kirche abgerissen wurde, um dort den bezugslosen Namen "Zum guten Tröpfchen" einzuführen, der sich inzwischen aber auch überlebt hat. Es sind noch ein paar Hausnamen aus Neukirchen überliefert, aber fast immer ohne zu wissen, welches Gebäude damit gemeint war: Der Spillmann, Der Seidenfaden, Zum Reiffen, De Hött .... Wo heute das Wohnhaus Wehler Straße 1 steht, hieß es mal "Zum Wehrhahn", und im 18. Jahrhundert lebte dort eine Familie Wehrhahn, die dann nach Neuss verzog und "auf Ölmühlen machte". Konrad Adenauer jr. stammt also über seine mütterliche Linie aus Neukirchen. Aber es wurde sich für die beiden Symbole "Linde" und "Krone" entschieden, nicht für den [Wehr-]Hahn, einen Seidenfaden oder Reifen. Das letzte Feld steht für die "Umgebung" von Neukirchen, also die Orte, die seit eh und jeh zu Neukirchen gezählt wurden, aber nicht nach Hülchrath ausgemeindet wurden: Gubisrath, Wehl und Speck. Da Wehl einer der frühest erwähnten Orte im Kreis Neuss ist (802 bereits urkundlich genannt) hat dieser Ort den Vorzug gehabt, im Wappen symbolisiert zu werden, und zwar durch den Herrn, der für die Ersterwähnung sorgte und wahrscheinlich als Ortsgründer von Wehl anzusprechen ist: Der heilige Ludger, Missionar des Münsterlandes unter Karl dem Großen. Das Symbol des heiligen Ludger sind zwei Gänse, im Wappen reduziert auf eine.

 

Nach den alten Wappenregeln schaut die Gans in die falsche Richtung, aber das ist heute nicht mehr streng geregelt. Außerdem gibt es eine Legende aus Wehl, in der um 1125 erzählt wurde, wie der heilige Ludger an die Gänse als Symbol kam, und da ging es darum, dass die Gänse von Wehl weg kommen sollten, da sie als Wildgänse den Bauern die Felder kahl fraßen (besonders die Wintersaat). Insofern ist die weglaufende Gans auch OK.

 

Soweit die Erklärung zu dem Wappen und seiner Beschreibung.

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