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Neukirchen - Eine Chronik       (Dr. C. Wiltsch)

 

35.000 - 8.000 v. Chr.

Jüngere Altsteinzeit: Fund eines "Gravette-Messers" bei Speck.

 

10.000 - 5.000 v. Chr.

Mittelsteinzeit: zahlreiche Einzelfunde an Erft und Gilbach.

 

5.000 - 700 v. Chr.

 

 

Jugsteinzeit: Siedlungsfunde bei Mühlrath, Hülchrath, am Rott bei Wehl und östlich vom Pfannenschuppen.

 

700 - 50 v. Chr.

 

 

 

"Keltische Zeit": Sprachliche Reste in Dialekt und Topographie: die Erft, die Gilbach, Yffe (an der Neukircher Heide ) und Koitzenbroich ( Koed = Wald ).

 

50 v. Chr. - 450 n. Chr.

 

 

 

Römerherrschaft: Archäologische Siedlungsfunde nahezu in jedem Ort, einige Straßen und Wege, z.B. Kasterstraße von Hoisten nach Allrath, Bendstraße von Hombroich nach Gohr ( heute: Unterdorf-Brunnenstraße ) und andere.

 

496

 

 

Drei (?) Schlachten bei Zülpich: Beginn der Christianisierung des Rheinlandes.

 

30.06.793

 

 

 

 

Ludger, Missionar für Westfalen ( später kath. Heiliger ), auf Durchreise von Widdeshoven nach Rüblinghoven bei Speck. Beginn von umfänglichem Gütererwerb bei Gruissem, Wehl und Münchrath für sein Mönchskloster Werden.

 

02.05.801 - 816

 

 

 

Erste Erwähnung von Wehl und einem dortigen Rott.

Erwähnung von Acker und Wald, offenbar zwecks Ortsgründung Münchraths. Östlich des Waldes ( bei Neukirchen? ) liegt Ackerland.

 

1066 / 1081

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Adalwig, Abt von Werden, schenkt seine Einkünfte zu Wehl von drei Mühlen sowie aus Rüblinghoven, Speck, Neukirchen, Münchrath, Lüblinghoven ( Lübisrath ), Gruissem und drei weiteren Dörfern seinen Klosterfrüdern.

Dadurch indirekt die Pfarrkirche genannt. Zur Pfarrei gehörten damals ( in Klammern Ersterwähnungen ): Neukirchen ( v. 1081 ), Hülchrath ( 1206 ), halb Speck ( v. 1081 ), Wehl ( 801 ), Münchrath ( 816? v. 1081 ), und später Gubisrath ( 24.04.1285 ), Lübisrath ( v. 1081? 1310 ), Norbisrath ( 13.05.1280 ), Ohmen ( 04.04.1307 ), Yffe ( 1173 ), Haus Horr ( 1150 ), Blumenberg ( 16.8.1312 ), Rott ( 801? ) sowie Neukircher und Hülchrather Heide, Hülchrather Broich ( je um 1620 ).

Vor 1300 wahrscheinlich noch Ramrath rechts des Baches und Gohr. Später dazu: Neuhaus ( ca. 1710 ), Jägerhof ( ca. 1810 ), Lohhof ( ca. 1827 ), Pfannenschuppen ( ca. 1835 ) und Bilderstöckchen ( ca. 1925 ).

 

1206

 

 

 

 

Im Kampf um deutsche Königskrone verschont Philipp von Schwaben Schloss Hülchrath. Aus dieser Zeit stammen die ältesten erhaltenen Teile der Kirche von Neukirchen, deren Vorgängerbau wohl nicht verschon wurde.

 

1217

 

 

 

In Hülchrath residiert bereits ein "Amtmann", der die "Grafschaft Hülchrath" zwischen Ahrweiler und Linn, dem Rhein und der Niers verwaltet.

 

1224

 

 

Cäsarius von Heisterbach kennt eine Sage aus Neukirchen, die wahrscheinlich in Gubisrath und auf dem Kirchhof spielt.

 

1274

 

 

 

 

 

Erschlossenes Datum für Verzeichnis "Liber valoris" der Kathedralsteuern im Erzbistum Köln. In Neukirchen: der Vertreter des Pfarrers "vicarius", hat die Stelle gepachtet ( typische Erscheinungsform des Pfründewesens ), Neukirchener Steuersätze wie bei sehr alten Gemeinden recht hoch.

 

ca. 1290

 

 

 

Hülchrath wird zur Stadt ausgebaut. Einrichtung einer Bürgerwehr unter Einbeziehung außenwohnender Bauern. Wurzel des heutigen Schützenwesens.

 

ca. 1308

 

 

 

 

 

Ältestes Original des Liber valoris, Gohr nun Pfarre: vermutlich 1304/1308. Grenze zwischen Gohr und Neukirchen teilt Haus Horr, einen Galgen, die Heide und deren Wassertränke und den Hof Fürth bei Leusch. Neuer Galgen steht beim Pfannenschuppen, wo auch ein Leprosenhaus entsteht.

 

1314 - 1321/23

 

 

Ankauf der Grafschaft Hülchraht durch den Erzbischof von Köln, Neukirchen nun bis 1794 "kurkölnisch".

 

21.09.1348

 

 

 

Gesicherte Ersterwähnung eines "Außenbürgers" in Hülchrath ( Gobel von Yffe ). Gilt als Gründungsjahr der Schützenbruderschaft, Vorläufer des BSV Neukirchen.

 

1429

 

 

 

Glockenguss in Neukirchen: Jakobus-Glocke ( im 1. Weltkrieg zu Kriegszwecken eingeschmolzen ) und Marien-Glocke ( noch vorhanden ).

 

1474 - 1475

 

 

Belagerung von Neuss durch Karl von Burgund. Mehrfach Kampfhandlungen in der Gemeinde Neukirchen.

 

21.04.1504

 

Ein Mathias ist Pastor ( Vikar ) in Neukirchen.

 

26.02.1505

 

Heinrich Kremer ist "Barde" in Hülchrath. Vorläufer der späteren Amtsärzte.

 

22.07.1569

 

 

 

 

Peter Krüchten, Pastor ( Vikar ) von Neukirchen hat Frau und zwei Kinder, lebt von schwarzer Magie. Soll Stelle räumen für offiziellen Pfarrer N. Ortembach, Sohn des Zonser Zöllners. Es gibt keine Schule. Mehrere Personen leben reformiert.

 

20.02. - 15.03.1583

 

 

 

 

Kampf um Hülchrath im "Truchseß'schen Krieg" mit schweren Zerstörungen. Um diese Zeit Untergang des Hofes Yffe. Seither Streit ( bis 1770 ) um die Gebühren für den Neukircher Küster, die Yffe zu zahlen hatte.

 

20.05.1608

 

Hülchraht erhalt ein Stadtprivileg mit 21 Punkten, u.a. Verlegung des Gerichtsortes von Neukirchen ( urspr. auf der Heide bei Hs. Horr ) nach Hülchrath.

 

1610

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zahlreiche militärische Überfälle auf die Gemeinde: Jülicher überfallen Norbisrath. Herr von Dohna "übt" mit ca. 50 Söldnern "Dorf übefallen" in Neukirchen. Soldaten und Schützenbrüder aus Hülchrath und Neukirchen wehren sich: 5 Tote, davon 4 Soldaten aus Hülchrath. Fürst von Anhalt überfällt Neukirchen. Plündert und zerstört alles, zwingt Pastor vom Kirchturm zu springen. Anordnung an Schützenbrüder, wie im Vorjahr den Stüttger Busch von Räuberbanden zu säubern.

Überfall und Plünderung durch Besatzung von Oberaußem. Dann Anweisung, dass die Schützen soldatische Kampfhandlungen üben sollen.

 

August 1616

 

 

Anlage von Tauf-, Trau- und Sterberegister in Neukirchen, weitgehend erhalten.

 

1629 - 1631

 

 

 

 

Letzte Hexenverfolgung in Hülchrath ( Anno 1590: 3 Fälle, 1595: 7 Fälle ). Vornehmlich Frauen aus Neukirchen und Hülchrath, aber auch Münchrath und Wevelinghoven werden auf den Specker Stöcken verbrannt, 14 Fälle.

 

1634 - 1637

 

 

 

 

Pest in Hülchrath und Neukirchen, danach tödliche Rote Ruhr ( 22 Tote ), erneut Pest in Münchrath und Hülchrath, 46 Tote ( erstess Opfer Adam Jäger ), dann neue Welle mit 24 Opfern, Januar 1637 Seuche in Hülchrath.

 

1637

 

 

 

Hermann und Martin auf'm Ulenrath ( Mühlrath ) zahlen den Sackzehnt an den Pastor in Neukirchen nicht. Der Konflikt weitet sich auf ganz Mühlraht und Münchrath aus und dauert über 150 Jahre.

 

1639

 

 

Erwähnung eines Marienaltars und einer Marienbruderschaft in Neukirchen.

 

1642 - 1644

 

 

 

 

 

Von Januar bis nach Pfingsten hausen Hessen ( 2000 Soldaten ) in Hülchrath. Rauben und plündern alles, was zu finden ist. Äcker können nicht bestellt werden. Bevölkerung flieht, zum Teil kommt sie um. U.a. Friedrich Nix, Lindenhalfe ( heute Stenbrock ) und Franz Türck, Kringhalfe.

 

22.09.1647

 

 

Gründung Bruderschaft "Jesus-Maria-Josef" ( für Männer und Frauen, 1699 neu ).

 

1662

 

 

Erster Kaplan in Hülchrath: Hermann Andreä ( 1667-97 Pfarrer in Neukirchen ).

 

Herbst 1665

 

Die Pest in der Pfarre, 8 Tote namentlich genannt.

 

1670

 

Die Pfarre Neukirchen hat ca. 150 Häuser.

 

1672 - 1677

 

 

 

 

Mehrere Epedemien suchen die Pfarre heim. Im Ausgust 1677 entsteht dadurch die Wallfahrt "Bergheimer Fest", zunächst zum Kloster Bethlehelm bei Bergheim, seit 1802 nach Bergheim selbst. Ursprünglichster Tag: Maria Himmelfahrt ( 15.08. ).

 

1687

 

 

Hülchrath wird erobert, anschließend ( 1688-89 ) die Befestigungen zerstört.

 

Ostern 1701

 

Die Pfarre Neukirchen hat 687 ( erwachsene ) Katholiken.

 

22.09.1711

 

 

 

 

Neubau Leprosenhaus. Muss 1712 wie alle Leprosenhäuser abgebrochen werden, weil sich dort Räuber aufhalten, u.a. Mathias Garding ( ließ 1697 in Neukirchen eine Tochter taufen, 1711 in Düsseldorf als Mörder gehängt ).

 

23.06.1720

 

 

 

Stiftung der Vikarie Jesus-Maria-Josef. Jedoch langer Gerichtsstreit mit den Erben des Stifters, führt auf Dauer zur Stelle eines Kaplans ( bis 1959 ).

 

1721

 

Erstmals Ausgaben für Chorknaben zu speziellen Anlässen erwähnt.

 

31.12.1729


 

Papst Benedikt XIII verleiht der Kirche von Neukirchen einen vollkommenen Ablass für das Fest des hl. Jakobus ( 25.07. )

 

17.05.1730

 

 

Stiftung einer Lehrstelle in Neukirchen durch die Dorfbewohner ( 12 Morgen Ackerland in der Neukircher Heide ), Selbstverpflichtung zum Schulbau.

 

01.06.1733

 

Erste Erwähnung eines Organisten an der Kirche in Neukirchen.

 

06.06.1737

 

 

Der Neukircher Pastor weiht die endlich errichtete Kapelle in Hülchraht auf die hll. Sebastian und Hohann Nepomuk.

 

05.11.1740

 

 

 

Der Schützenführer und die 7 Schützen der Bruderschaft Hülchrath-Neukirchen, die den Marktfrieden von St. Leonhard sichern, werden erstmals mit Geld statt Mahlzeit bezahlt.

 

1740

 

Bau eines einstöckigen Vikarie- und Schulhauses neben der Kirche.

 

1748


 

Bruderschaft- und Königordnung, darin erstmals die Schützenmusik erwähnt.

 

02.08.1753

 

 

J.J. Kolvenbach, Amtsverwalter von Hülchrath, bescheinigt, dass der Schützenkönig für ein Jahr frei von öffentlichen Diensten ist.

 

1773

 

Die Pfarre Neukirchen zählt ca. 1020 Katholiken.

 

05.10.1794

 

 

Französische Truppen besetzen Hülchrath, 1795/1802 völlige Annektion.

 

1805

 

Gründung der Matthiasbruderschaft.

 

16.04.1814

 

 

Vertreibung der Franzosen. 40 Kosaken werden in Hülchrath einquartiert.

 

1815

 

Neukirchen wird preußisch in der Bürgermeisterei Hülchrath.

 

1816

 

 

Bürgermeister von Pröpper verbietet Schützenmusik, verliert jedoch Prozess.

 

1828

 

Neubau eines Schulgebäudes (heute Raiffeisenkasse).

 

1831

 

Einstellung Glockenläuten wegen Einsturzgefahr des Turms (Neubau erst 1844).

 

1841

 

 

"Schützengesellschaft am Neuhaus", möglicherweise Vorläufer des BSV.

 

1842

 

Bau des Spritzenhauses für die Feuerspritze am Jakobusplatz.

 

1847

 

Erste Teilung der Neukircher Heide auf Zeit.

 

1849

 

Die Straße Neuss - Bergheim wird gebaut (heute B 477).

 

1858

 

 

Gründung Kirchenchor, der 1868 dem Cäcilienverband (1868 gegr.) beitritt.

 

1860

 

 

Gründung Bürgerschützenverein Neukirchen (BSV) als "Schützengesellschaft".

 

1867

 

Die Gemeinde Neukirchen hat 1577 Einwohner.

 

17.07.1876

 

 

2. Lehrstelle in Neukirchen mit Frau Eva Mafa besetzt (die 1. Lehrerin der Schule).

 

1884

 

Errichtung einer Villa an der Roseller Straße, die 1909 Rathaus wird.

 

14.11.1892

 

 

Gründung der Raiffeisenkasse (nach Rosellen, das wenige Wochen älter ist, älteste Raifeisenkasse im Raum Düsseldorf).

 

01.04.1902

 

 

Neukirchen erhält Postagentur, ein Fernsprecher besteht schon seit Jahren.

 

27.02.1904

 

 

Hülchrath wird zur Pfarre erhoben. Dazu zählen Münchrath, Mühlrath, Jägerhof und Norbisrath.

 

1914

 

 

Gründung FC Hülchrath, älteste Wurzel der SG Neukirchen-Hülchrath.

 

 

1920

 

Gründung Quartettverein "Rheingold" Neukirchen.

 

1921

 

Gründung Tambourcorps, aber 1. Auftritt schon 1920 (St. Martinszug).

 

1924

 

 

 

Anschluss an Postbuslinie Grevenbroich-Neuss. Bau des Bahndamms, wegen Inflation Ende November 1924 wieder eingestellt.

 

 

1927

 

 

Gründung DJK Neukirchen, die in ca. 1939 in SG Neukirchen umgebildet wird.

 

01.08.1929

 

 

Aus Amt Hülchrath wird Gemeinde Neukirchen unter Verlust von Weckhoven.

 

1932

 

Der Versuch der Gründung einer freiwilligen Feuerwehr scheitert.

 

1939 - 1945

 

 

 

Im Krieg war bei Norbisrath eine Scheinwerferstellung, beim Pfannenschuppen eine Flakstellung. Am 26.05.1943 wurde das Dorf schwer bambardiert.

 

1946

 

 

Beginn der Zuweisung von Ostdeutschen, Einquartierung in Privathäuser.

 

1953

 

 

 

Erste Neubautätigkeit zur Lösung des Wohnraumproblems, es entsteht die Siedlung an der Ramrather Straße, weitere folgen bis 1972.

 

1964

 

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr, Löschzug Neukirchen

 

1968

 

 

Schulreform. Bildung der Grundschule Neukirchen und einer Hauptschule, die vom Schulamt nicht gewünscht ist. Daher nach 4 Jahren Auflösung.

 

01.01.1971

 

Neukirchen ( ohne Wehl und Hülchrath ) hat 1890 Einwohner.

 

31.12.1974

 

 

Auflösung der Gemeinde Neukirchen. Hoisten und Wehl kommen nach Neuss, Neukirchen und Hülchrath nach Grevenbroich.

 

 

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